Gournia

Gournia, die am besten erhaltene Stadt der Minoer auf Kreta.
Lage, Geschichte und Besichtigung der ausgegrabenen minoischen Stadt bei Istro am Golf von Mirabello.

Gournia
Straßen und Gebäudegrundrisse in Gournia.

Geschichte

Gournia, welches in einem Sattel zwischen zwei niedrigen Hügeln an der Schnellstraße von Agios Nikolaos nach Ierapetra liegt, ist die am besten erhaltene Stadt der Minoer auf ganz Kreta.
Der ursprüngliche Name dieser minoischen Stadt ist nicht bekannt und die gegenwärtige Bezeichnung stammt von kleinen, alten Hohlräumen, welche zu den Häusern der Siedlung gehörten.

Es ist nicht zu ermitteln, wann Gournia ursprünglich gegründet wurde und nur die Ruinen erzählen uns ihre Geschichte. Aus den Gräbern von Mochlos wissen wir jedoch, dass schon im 3. Jahrtausend v.Chr. die Kaufleute am Mirabello-Golf reiche Leute waren, da neben prächtigen Steingefäßen auch zierlicher Goldschmuck an den Totengewändern angebracht war.

Somit wird vermutet, dass Gournia schon im dritten Jahrtausend v.Chr. bestand, aber die heute zu sehenden Überreste stammen aus der Zeit der neuen Paläste um 1.500 v.Chr.
Ebenso wie an anderen Stellen auf Kreta wurde auch Gournia um 1.450 v.Chr. zerstört. Ein eingeschränkter Wiederaufbau erfolgte in der Ära der mykenischen Herrschaft in Knossos und der Schrein stammte aus dieser Zeit. Jedoch wurde die Stadt nach einem Brand, etwa 1.200 v.Chr., endgültig aufgegeben und verschwand in der Vergessenheit.

Lage von Gournia
Hier sieht man gut die Lage von Gournia (rechts) am südlichen Ende des Golfs von Mirabello.

Ein Blick auf die Karte verrät jedoch schon Gournias ehemalige, strategische Lage. Hier lag die Kontrolle über die Landenge und die kürzeste Verbindung auf dem Landweg zur Südküste bei Ierapetra. Die Landroute vermied die gefährliche, mit Untiefen und Klippen übersäte Seereise um das östliche Kap von Kreta.

So vermutete Arthur Evans, wie üblich einer der ersten, dass minoische Überreste in diesem Gebiet vorhanden sein mussten und schließlich begann ein junger Amerikaner, Harriet Boyd-Hawes, im Jahre 1901 danach zu suchen. Bis 1904 war Gournia dann vollständig ausgegraben.


Die ausgegrabene minoische Stadt

Die Stadt wurde unregelmäßig und ohne festen Plan mit dem Hügel hoch verlaufenden, Stein-gepflasterten, schmalen Straßen durchzogen, welche von Norden nach Süden verliefen. Zusätzlich durchschnitten viele horizontal verlaufende Straßen die Siedlung. Diese Straßen waren eindeutig für Packtiere anstatt für Karren ausgelegt.

Die Siedlung ist mit ihrer Größe von 15.000 m² nicht übermäßig groß und ist kein Vergleich zu den minoischen Palästen, welche man besichtigen kann. Allerdings dürfte Gournia genauso gut oder schlecht ausgestattet gewesen sein, wie noch vor 50 Jahren ein durchschnittliches Dorf auf Kreta.

Die Häuser waren ein- oder zweistöckig mit einer Tür auf einer Steinschwelle zur Straße hin und bestanden oft nur aus einem Raum.
Die Wände waren aus Ziegelsteinen, welche mit hellgrauer Farbe verputzt wurden. Die Fußböden wurden mit Mörtel angefertigt, worauf sich Fliesen und gelöschter Kalk befanden.

Man kann sich gut die auf engen Raum lebende Gemeinschaft vorstellen, welche hier vor 3.500 Jahren gelebt hat. Allerdings war der Platz nicht ganz so beengt, wie er erscheinen mag, da viele der heute zu sehenden Strukturen nur die Keller oder Souterrain waren, welche aus dem Hauptraum oberhalb über Treppen zugänglich waren. Und die Grundpläne der Haupträume müssen nicht mit den Untergeschossen übereinstimmen.

Unter den Fundstücken, welche die Ausgrabungen an das Tageslicht förderten, waren Sägen, Meißeln, Nadeln, verschiedene Arten von Hämmern u.v.m., , wodurch wir ein vollständiges Bild erhalten von der Lebensweise und den Berufen der Bewohner, welche als einfache Menschen in dieser Zeit von Handwerk, Landwirtschaft und Fischerei lebten.

Auf dem höchsten Punkt des Hügels befindet sich eine größere Gebäudestruktur, der Palast des Statthalters mit einem Platz in der Mitte. Im Prinzip ist es praktisch eine kleine Mini-Kopie der Paläste von Knossos und Festos mit Magazinen, Höfen und Wohnräumen.
Allerdings war das Gebäude in keiner Weise deutlich von den Häusern in der Nachbarschaft abgegrenzt, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass die Bewohner in ihrer Gemeinschaft friedlich zusammenlebten.
Auch verfügte die gesamte Stadt über keine Schutzmauern, da offensichtliche die minoische Flotte für Sicherheit gesorgt hatte.


Heiligtum von Gournia
Der Schrein, das Heiligtum von Gournia.

20 Meter nördlich von dem ‚Palast‘ liegt ein Schrein. Er ist leicht durch den abfallenden Zugangsweg zu erkennen, welcher mit einem komplexen Muster von gleichmäßig abgestimmten Steinen gepflastert ist. Das Heiligtum selbst, drei Stufen hoch, ist ein kleiner Raum mit einer Leiste für Kultobjekte. Hier wurden eine Reihe von Terrakotta-Göttinnen mit erhobenen Armen ausgegraben, sowie Schlangen-Totems, Doppeläxte und andere Kultobjekte, die jetzt im Archäologisches Museum von Iraklion zu sehen sind.

Besichtigung

Gournia
Hier sieht man die von Agios Nikolaos (weiße Gebäude, klein in der Bildmitte) an Gournia vorbeiführende Schnellstraße.

Wenn man von Agios Nikolaos auf der Schnellstraße nach Ierapetra fährt, sieht man das Ausgrabungsgelände rechts nahe der Schnellstraße schon aus einiger Entfernung, kurz bevor man die Südspitze des Golfs von Mirabello erreicht.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 8:30 Uhr bis 15 Uhr; Eintritt 2.- €.

Tipp: Gournia liegt nicht allzu weit von der Ha-Schlucht und Ierapetra bzw. Agios Nikolaos (je nachdem, von wo man aus die Tour beginnt) entfernt, deren Besuch sich dabei gut anschließen lässt.


Wegbeschreibung nach Gournia

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