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7 – Kreta im 20. Jahrhundert

Die Geschichte Kretas im 20. Jahrhundert nach der Vereinigung mit Griechenland Teil VII).

Elounda
Zahlreiche Bunker aus der deutschen Besatzungszeit auf Kreta im Zweiten Weltkrieg finden sich noch hinter dem Strand in Elounda.

Hier zu Teil 6: Türkisches Kreta.

Kreta im Zweiten Weltkrieg

Im Herbst 1940 fielen italienische Truppen in Nordgriechenland ein, um dann von der griechischen Armee über die albanische Grenze zurückgeworfen zu werden. Mussolinis Demütigung führte jedoch nur dazu, die Deutschen in den Kampf hineinzuziehen. Obwohl britische Truppen nach Griechenland geschickt wurden, wurde das Festland schnell im Balkanfeldzug überrannt.

Der Feldzug der Alliierten war von Anfang an von Misstrauen, Verwirrung und mangelnder Kommunikation zwischen dem griechischen und britischen Oberkommandos geprägt. Auf griechischer Seite war Diktator Metaxas im Januar gestorben und sein Nachfolger als Ministerpräsident beging bei der Niederlage Selbstmord, wodurch ein gebürtiger Kreter – Emanuel Tsouderos – den Abzug von König und Regierung auf seine Heimatinsel organisieren musste.
Ihnen folgten rasch Tausende von Evakuierten, darunter der Großteil der alliierten Expeditionsstreitkräfte. Diese Truppe bestand zum großen Teil aus australischen und neuseeländischen Soldaten. Die meisten der einheimischen kretischen Truppen, welche eine Division der griechischen Armee bildeten, waren bei der Verteidigung des Festlandes untergegangen.

Diktator Metaxas
Der griechische Diktator Metaxas, umringt von Anhängern mit dem ‚faschistischen Gruß‘.

Schlacht um Kreta

Nach dem Plan der Alliierten sollte Kreta inzwischen eine uneinnehmbare Festung sein. In der Praxis war jedoch so gut wie nichts getan worden, um die Verteidigung der Insel zu verbessern. So gab es kaum einsatzfähige Flugzeuge oder anderes schweres Gerät, und die ankommenden Truppen fanden kaum einen Plan für ihren Einsatz vor.

Am 20. Mai 1941 begann die Invasion der Insel, als die deutschen Truppen mit Lastenseglern und an Fallschirmen landeten. Zunächst war es ein grauenhaftes Gemetzel, bei dem die Angreifer bei ihrem langsamen Landeanflug leicht abgeschossen werden konnte. Nur wenige der ersten Welle von Fallschirmspringern erreichten den Boden lebend, und viele der Lastensegler stürzten ab, sodass die Masse der deutschen Luftlandetruppen zerschlagen wurde, bevor sie überhaupt den Boden erreichten.

Soldatenfriedhof in Maleme
Der deutsche Soldatenfriedhof in Maleme auf der ehemalig, heiß umkämpften Höhe 107. Im Hintergrund liegt der Flugplatz.

Im äußersten Westen jedoch, gelang es ihnen, den Flugplatz von Maleme einzunehmen. Ob aus Inkompetenz – wie ein Großteil der Literatur über die Schlacht um Kreta nahelegt – oder wegen eines Zusammenbruchs der Kommunikation, es wurde kein Versuch unternommen, den Platz zurückzuerobern, bis die Deutschen genug Zeit hatten, ihn zu verteidigen. Mit diesem sicheren Brückenkopf begannen sie, Verstärkung und Ausrüstung einzufliegen.

Kurz vor der Schlacht waren die deutschen Codeschlüssel geknackt worden, sodass der alliierte Befehlshaber auf Kreta, General Freyberg, im Detail wusste, wo und wie die Angriffe erfolgen würden. Da er die geheimen Erkenntnisse jedoch nicht an seine untergeordneten Offiziere weitergeben durfte, um die Quelle zu schützen, führte ein verhängnisvolles Missverständnis in der Befehlskette über die in den Informationen enthaltenen Absichten des Feindes dazu, dass die alliierten Streitkräfte um Maleme verringert wurden.
Von diesem Augenblick war die eigentlich gewonnen geglaubte Schlacht verloren, und die alliierten Truppen, die bereits unter ständigem Luftangriff standen, gerieten auch auf dem Boden unter starken Druck, dem sie nicht standhalten konnten.

Die Verluste der Schlacht von Kreta waren auf beiden Seiten enorm und die Friedhöfe erinnern an die Gräberfelder der Opfer des Ersten Weltkriegs in Nordost-Frankreich. Die beste deutsche Luftlandedivision wurde praktisch aufgerieben, woraufhin der niedergeschlagene Hitler ihr ein Denkmal errichtete, das noch immer vor Chania steht. Niemand hat jemals wieder einen ähnlichen Angriff versucht.

Doch sobald sie einen sicheren Brückenkopf errichtet hatten, rückten die Deutschen rasch vor, und eine Woche nach der ersten Landung befand sich die alliierten Truppen auf dem Rückzug über die Berge in Richtung Hora Sfakion, von wo aus die meisten per Schiff nach Ägypten evakuiert wurden.
Am 30. Mai 1941 war die Schlacht zu Ende, und mehrere tausend alliierte Soldaten und alle Kreter, die an ihrer Seite gekämpft hatten, mussten sich ergeben oder in die Berge flüchten.

Deutscher Küstenschutz auf Kreta mit erbeutetem englischen Vickers-MG.

Der Widerstand

Eine der ersten Aufgaben des Widerstands war es, die noch versprengten und verbliebenen alliierten Soldaten von der Insel zu bringen. Dabei hatten sie bemerkenswerten Erfolg: Sie fassten die Versprengten in Gruppen zusammen und organisierten ihre Abholung per Schiff oder U-Boot von den abgelegenen Stränden an der Südküste. Viele wurden von Mönchen versteckt und verpflegt, während sie auf ihre Flucht warteten, am herausragendsten dabei das Kloster Preveli.

In dieser Hinsicht und in vielen anderen Aspekten ähnelte die deutsche Besatzung den vorausgegangenen Besatzungen Kretas – es gab ständigen Widerstand und brutale Repressalien.
Die Nordküste und das Tiefland wurden wie in der Vergangenheit einfach und sicher kontrolliert, aber die Berge und vor allem Sfaki blieben während des gesamten Krieges der Tummelplatz von Rebellen und Widerstandsgruppen.


Mit den Booten, die die Überlebenden der Schlacht von Kreta wegbrachten, kamen britische Nachrichtenoffiziere, deren Aufgabe es war, den Widerstand zu organisieren und zu bewaffnen. Während des gesamten Krieges hielten sich etwa ein Dutzend von ihnen auf der Insel auf, die in Berghütten oder Höhlen lebten und versuchten, Fallschirmabwürfe von Waffen zu organisieren und über Truppenbewegungen auf und um die Insel zu berichten.
Wie wirksam die sporadischen Bemühungen des Widerstands auf Kreta im Krieg waren, ist schwer zu beurteilen, und es ist fraglich, ob Aktionen wie die Entführung von General Kreipe das Kriegsende näher brachten, während sie zu zahlreichen Opfern, vor allem unter der Zivilbevölkerung führten.

Die Entführung von General Kreipe

General Kreipe
General Kreipe (Mitte) zwischen zwei seiner Entführer.
Der kretische Widerstand gegen die Nazi-Besatzung hatte 1944 einen spektakulären Erfolg, als sie den deutschen Befehlshaber, General Kreipe, südlich von Knossos bei Iraklion entführten und es schafften, ihn über die Berge an die Südküste und von der Insel nach Ägypten zu schmuggeln. Zu der Gruppe der Entführer gehörten auch der Schriftsteller Patrick Leigh Fermor und Stanley Moss, in dessen Buch Ill met by Moonlight die Aktion ausführlich beschrieben wird.
Die unmittelbare Folge dieses Propaganda-Coups war jedoch ein schrecklicher Rachefeldzug gegen die kretische Bevölkerung, bei dem eine Reihe von Dörfern rund um das Amari-Tal zerstört und alle Männer, die gefunden werden konnten, abgeschlachtet wurden.
Harte Vergeltungsmaßnahmen gegen die kretische Zivilbevölkerung waren die übliche Reaktion der deutschen Armee auf jeden Erfolg des Widerstands.

Ende 1944 zogen sich die deutschen Truppen auf eine stark befestigte Verteidigungslinie um Chania zurück, wo sie sieben Monate lang ausharrten, bevor sie sich bei Kriegsende ergaben.
Auf der Insel entstand dadurch ein Machtvakuum, das mehrere Widerstandsgruppen eilig auszufüllen versuchten. Die alliierten Geheimdienste könnten zweifelsfrei behaupten, dass eine der Errungenschaften ihrer Agenten auf Kreta darin bestand, dass der Bürgerkrieg, der das übrige Griechenland erschütterte, hier nahezu vermieden wurde.
Auf dem Festland war die Organisation des Widerstands weitgehend das Werk der griechischen Kommunisten, die am Ende des Krieges als die am besten organisierte und bewaffnete Gruppe hervorgingen. Auf Kreta waren die Gruppen, die mit den westlichen Alliierten sympathisierten, am besten bewaffnet und organisiert. Vor allem in der letzten Phase des Krieges wurden die kommunistisch dominierten Organisationen absichtlich mit wenig Ausrüstung ausgestattet. Es gab nur wenige gewalttätige Zwischenfälle auf der Insel, und diese wurden schnell niedergeschlagen.

Nachkriegszeit

Da der Bürgerkrieg auf Kreta weitgehend vermieden werden konnte, gelang es dort auch, den Wiederaufbau früher als im übrige Griechenland in Angriff nehmen. Dadurch entwickelte sich die Insel nach 1945 zu einer der wohlhabendsten und produktivsten Regionen des Landes.

ELAS-Partisanen
Kommunistische ELAS-Partisanen.

Politisch war Kreta in der Nachkriegszeit zutiefst misstrauisch gegenüber der Kontrolle von außen, selbst aus Athen. Dieser Umständ hält bis heute an. Vor allem auf lokaler Ebene sind die Loyalitäten eher entlang von Clan- und Klientelstrukturen als nach parteipolitischen Gesichtspunkten geteilt, und die Führer werden danach beurteilt, wie gut sie für ihre Gebiete und ihre Anhänger sorgen.

Die kretischen Lokalpolitiker auf lokaler Ebene haben nach wie vor eine fast einhellige Freude daran, der Zentralgewalt die Stirn zu bieten. Es gibt auch keine eigene Inselregierung, sondern nur eine Regionalverwaltung, die von Beamten aus Athen geführt wird.
Bei einem berühmten Vorfall organisierte der Bürgermeister von Iraklion einen Sitzstreik im Archäologischen Museum, um zu verhindern, dass Kunstwerke für eine Ausstellung ins Ausland gebracht werden: Fünfzigtausend Menschen kamen, um ihn zu unterstützen, und obwohl Präsident Karamanlis seine Verhaftung anordnete, musste die Zentralregierung schließlich nachgeben.

Auch innerhalb Kretas gibt es heftige Rivalitäten, vor allem zwischen Chania, das zu Beginn des Jahrhunderts für kurze Zeit zur Hauptstadt ernannt wurde, und Iraklion, der traditionellen und heutigen Hauptstadt und heutzutage auch die reichere und politisch wichtigere Stadt.
Diese Zersplitterung führt zu allerlei Anomalien und Kompromissen: Symptomatisch war die eher unpraktische Entscheidung, die Universität von Kreta auf drei Standorte zu verteilen, nämlich Iraklion, Rethymno (das sich immer als die kultivierteste Stadt Kretas betrachtet hat) und das autonome Polytechnikum von Chania.

Obristen-Regime
Die Anführer des Staatsstreichs von 1967: Brigadier Stylianos Pattakos, Oberst Georgios Papadopoulos und Oberst Nikolaos Makarezos.

Innerhalb der griechischen Politik tritt die Insel geschlossener auf und vertritt die liberale Tradition von Venizelos. Der anti-linke Putsch von 1967 in Athen, der die Junta der Obersten an die Macht brachte, wurde auf Kreta leidenschaftlich bekämpft, womit die Insel eine der wenigen Regionen Griechenlands war, die offenen Widerstand gegen das Regime leisteten.
Es folgten sieben Jahre der Unterdrückung, in denen alle politischen Aktivitäten verboten, die Presse stark zensiert und Kommunisten verhaftet, inhaftiert und gefoltert wurden.

In einem Referendum nach dem Sturz der Obersten 1974 stimmte Kreta mit großer Mehrheit gegen die Wiedereinführung der Monarchie, da der König in den Putsch verwickelt gewesen war, und stattdessen für ein republikanisches System.
Bei den darauffolgenden Präsidentschaftswahlen war die Unterstützung für den Rechtsaußen Karamanlis – und dem anschließenden Sieger – auf Kreta weniger als halb so groß wie im übrigen Griechenland.
Dies war ein beständiges Muster: Die linke PASOK hat auf Kreta stets doppelt so viele Stimmen erhalten wie die rechtere ND.

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