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Griechische Revolution

Der griechische Revolutions-Unabhängigkeitskrieg von 1821.

Lord Byron in Missolunghi.
Der britische Abenteurer, Freiwillige und Philhellene Lord Byron in Missolunghi.

Der Ausbruch der griechischen Revolution und der nachfolgende Unabhängigkeitskrieg jährt sich nun zum zweihundertsten mal.

Die griechische Revolution

Alexander Ypsilantis
Alexander Ypsilantis, der Kopf der griechischen Revolution.
Die griechische Revolution von 1821 war keine spontane Reaktion wie die serbische Revolution von 1815 bis 1817, sondern eine gut geplante Aktion, welche von den seit 1814 entstandenen griechischen Geheimbünden, den sogenannten Hetairien unter Großfürst Kapadidtrias in Athen und Fürst Ypsilanti im russischen Odessa, im Voraus entworfen wurde.
Der 24. Februar 1821 gilt allgemein als Geburtsstunde der griechischen Revolution, als Alexander Ypsilantis in Iasi in Bessarabien, beim heutigen Rumänien, seine Proklamation an die Griechen veröffentlichte. Jedoch scheiterte der Versuch, die Rumänen für die hellenistische Idee zu begeistern und auch die Russen wollten sich nicht einmischen, sodass die Revolutionsbewegung aus dem Norden nach der Niederlage von Dragaschan zusammenbrach.

Als Beginn der siegreichen Revolution auf dem Peloponnes wird der Einzug der griechischen Rebellen in Kalamata am 23. März 1821, nach der kampflosen Kapitulation der Osmanen in der Stadt angesichts einer überlegenen Streitmacht unter Petrobey Mavromichalis, angesehen. Ein weiterer markanter Starttermin ist der 25. März 1821, als der Messinische Senat den Erlass der ‚Warnung‘ folgen ließ und heute ein alljährlicher griechischer Feiertag ist, an dem die Revolution gefeiert wird.

Planung der Revolution

griechischer  Armatoloi
Ein griechischer Armatoloi.
Es erscheint so, dass die Hetairien den Beginn der revolutionären Bewegungen im Jahr 1820 an drei Schauplätzen geplant hatten.
Der erste beinhaltete Konstantinopel, wo auch die Elite des griechischen Volkes residierte, der zweite den Peloponnes mit den dort befindlichen wichtigen Würdenträgern, den Proestoi oder Gemeindevorstehern, die sich den Hetairien verpflichtet sahen und über Armatoloi (bewaffnete Wachen) und Kleftes (geheime Milizen, die als Nationalgarde fungierten) verfügten. Der dritte Schauplatz sollte eine Invasion von Russland aus nach Moldawien durch eine griechische Streitmacht sein.

Das Unternehmen in Moldawien war schlecht vorbereitet und erfolgte zu einem ungünstigen Zeitpunkt und an einem ungünstigen Ort. Russland widersetzte sich den griechischen Plänen, da es sich an die Beschlüsse der Laubach-Konferenz gebunden sah, worin Revolutionen gegen rechtmäßige Herrschaftsansprüche nicht toleriert werden sollten. Somit war das ganze dort zum Scheitern verurteilt.
Dieser Teil des Osmanischen Reiches war eine rumänische Provinz und so marschierten die griechischen Invasoren nicht gegen Türken, sondern gegen rumänische Dorfbewohner. Gleichzeitig weigerte sich der Aufständische Tudor Vladimirescu, Ypsilantis zu unterstützen, da er in erster Linie die Interessen der rumänischen Bojaren im Auge hatte.

Nicht nur die mächtige Armee des Sultans in der Hauptstadt Konstantinopel, sondern auch Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Klassen der Griechen der Stadt verhinderten eine revolutionäre Bewegung in der Polis. Die Ausschreitungen gegen Griechen, die nach Beginn der Revolution in Konstantinopel folgten, erstickten jeden Gedanken an Aufständen dort schnell.

Der Beginn der Revolution auf dem Peloponnes war wahrscheinlich erst für einen späteren Termin geplant, wurde aber vorverlegt, als die Osmanen von den Absichten der Griechen erfuhren. Andere Autoren behaupten dagegen, dass die Revolution dort früher begonnen hätte, wenn sie nicht durch die strenge Verwaltung von Ali Pascha von Ioannina verzögert worden wäre.

Die Gründe für die griechische Revolution gehen eindeutig aus der ‚Warnung‘ des ‚Messinischen Senats‘ an die europäischen Großmächte vom 25. März 1821 hervor. Der sehr treffende Text gibt als Grund für die Revolution die Unterdrückung durch die Türken an und dass die Griechen grundsätzlich für ihre Menschenrechte und ihre Menschenwürde kämpften.
Die Zunahme bei der Alphabetisierung, die Verbreitung der europäischen Bildung und der durch den Handel angehäufte Reichtum der Griechen waren die Mittel für den Ausbruch und den Erfolg der Revolution. Die Finanzen der Revolution wurden durch private Gelder aufgebracht, während zeitweise wohlhabende Griechen sogar militärische Einheiten organisierten und unterhielten.

Der demografische Parameter war, wie sich in der antiken oder modernen Geschichte oft gezeigt hat, ein wesentlicher Faktor der Machtverhältnisse. Die Griechen im Osmanischen Reich waren die größte nicht-muslimische Minderheit und bildeten die Mehrheit auf dem Peloponnes.
Diese kompakte griechische Bevölkerung auf dem Peloponnes und anderswo trug zum Erfolg des Aufstandes bei, zusammen mit ihrer Hingabe an die Idee der Freiheit, die ein bedeutender Teil der Griechen von ganzem Herzen angenommen hatte.

Metropolit Germanos von Patras segnet am 25. März 1821 die griechische Fahne
Der Metropolit Germanos von Patras segnet am 25. März 1821 im Kloster Agia Lavra die griechische Fahne, was als offizieller Beginn der Revolution gilt. Andere Quellen dagegen behaupten über den Kirchenführer genau das Gegenteil (siehe Text).
Natürlich gab es auch Einwände von Griechen, die dem Aufstand misstrauten und Untätigkeit vorzogen. Und auch nicht alle Griechen waren für die Revolution. Es gab sogar Griechen, die Teil des ottomanischen Machtsystems waren.
Der Metropolit Germanos von Patras, welcher im Gemälde rechts angeblich die griechische Fahne der Revolution gesegnet hat, soll stattdessen an diesem Tag gesagt haben: ‚Lassen wir die Kinder des Mohammed die Kinder des Robespierre fertigmachen !‘
Und einer der für die osmanische Verwaltung tätiger griechischer Würdenträger meinte dazu: ‚Es ist besser, wenn die Türken ihre christlichen Untertanen unterjochen, als dass es eine freie Nation mit einem Volk gibt, das Rechte hat‘.
Demnach ist es eine nachträglich geförderte Legende, dass Germanos von Patras als erster die Standarte der Revolution von 1821 erhoben hat. Vielmehr hisste in Patras der Volksführer Panagiotis Karatzas die griechische Fahne und wurde später dafür von den Gemeindeleitern von Patras ermordet. Patras auf der Peloponnes konnten die Türken dann bis zu ihrem Abzug nach dem Friedensvertrag von 1829 halten.

An der Revolution von 1821 beteiligten sich nicht nur orthodoxe Christen und gebürtige Griechen, sondern auch die sogenannten Philhellenen aus Westeuropa und in den Donau-Fürstentümern Walachen, Moldauer, Bulgaren, Albaner, Serben, Zigeuner, Ungarn, Polen und andere.
Zu den Unentschlossenen gehörten einige Würdenträger von Morea im Peloponnes. Ihre Vorladung durch den Pascha nach Tripolitza (Tripolis, Peloponnes) und die Angst vor ihrer bevorstehenden Hinrichtung zerstreute jedoch ihre Bedenken, die sie möglicherweise hegten. Aber die Zurückhaltung war teilweise gerechtfertigt und war eigentlich nicht überraschend. Die Gefahr durch die Osmanen war real und stand unmittelbar bevor.


Auf der anderen Seite war die Härte der Aggressivität der Aufständischen ebenfalls bedenklich. Denn das Abschlachten von Muslimen, besonders während der Befreiung von Tripolitza, war unter allen Umständen ebenso unerträglich, wie dies ebenfalls die Osmanen bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder taten.

Ausbruch der Revolution

Panagiotis Kefalas
Panagiotis Kefalas im befreiten Tripolitza.
Die Wahl des Zeitpunkts für den Ausbruch der Revolution war auch ungeeignet. Nachdem die Großmächte erst wenige Jahre zuvor auf dem Wiener Kongress von 1815 die europäische Ordnung durch die Restauration nach der Niederwerfung Napoleons geregelt hatten, wurde von ihnen jede Veränderung – insbesondere revolutionärer Art nach dem Vorbild der Französischen Revolution von 1789 – missbilligt.
Die Hetairien mögen ursprünglich einen anderen Zeitplan vorgesehen haben, aber es war unvermeidlich, dass ab einem gewissen Zeitpunkt das Bekanntwerden ihrer Pläne und der große Freiheitsdrang der Griechen die Situation ihrer Kontrolle entriss.

Daher war die griechische Revolution zwar nicht spontan, da sie geplant war, aber ihr eigentlicher Beginn war die Folge von anderen Ereignissen und Entwicklungen.
Für die geplante Revolution gefährlich waren außerdem die Vorbereitungen der Osmanen, denn Mahmud II. organisierte eine neue Armee unter französischem Einfluss. Diese wurde unter Asakir-i Mensurei Muhammediye zwar in ihrer ersten Schlacht von einer russischen Armee geschlagen und es folgte eine zweite Niederlage gegen Mehmed Ali von Ägypten, aber gegen eine schlecht organisierte griechische Rebellen-Armee konnte das Ergebnis ganz anders aussehen.

Allerdings rebellierte zu dieser Zeit Ali Pascha von Ioannina gegen die osmanische Verwaltung in Konstantinopel und der Offizier des Zaren, Aiexander Ypsilantis, welcher die Revolution nach Moldawien tragen sollte, gab zu der Hoffnung Anlass, dass Russland sich die Gelegenheit, gegen die Osmanen zu Felde zu ziehen, nicht entgehen lassen würde.

Die Griechen waren jedoch grundsätzlich der Meinung, dass sie sich auch ohne die Beteiligung der Europäer durchsetzen würden. Diese Vorstellung bestätigte sich zumindest in der ersten Phase der Revolution, selbst als die europäischen Großmächte aus verschiedenen Interessen heraus gegen diese waren.

Jedenfalls schienen die Krieger der Mani keine dieser Einwände berücksichtigt zu haben, als sie zu den Waffen gegen die Osmanen in Kalamat am 23. März 1821 griffen.
Die Revolution entwickelte eine Dynamik, die einem Feuer glich, das sich einem Pulverfass näherte. Es folgten Sieg auf Sieg für die Rebellen, welche die Befreiung der griechischen Städte auf dem Peloponnes und dem Festland zur Folge hatte.
Die Osmanen, die sich nicht überrumpeln ließ, reagierte mit der Mobilisierung zahlreicher Truppen, über welche sie verfügte. Doch trotz ihrer sporadischen Siege konnten sie den entscheidenden Sieg der Griechen nicht aufhalten, die praktisch in jedem Kampf bis zur letzten Patrone und dem letzten Krieger um ihr Leben kämpften. So gelang es den Griechen, die zu Beginn der Revolution befreiten Gebiete zu halten und die osmanischen Gegenangriffe abzuwehren.

Griechenland in den Grenzen von 1829
Griechenland in den Grenzen von 1829, innerhalb derer auch die erfolgreiche Revolution erkämpft wurde.
Nach dieser ersten Phase stabilisierte sich die Revolution und die militärische Situation hielt sich in einem Patt, da keine der beiden Seiten stark genug war, um einen entscheidenden Sieg herbeizuführen.
In dieser zweiten Phase waren die Osmanen gezwungen, sich nach ihren Niederlagen oder aufgrund widriger Witterungsbedingungen im Winter auf ihre Stützpunkte in Thessalien zurückzuziehen, während die Aufständischen nicht stark genug für einen Gegenangriff waren und keinen entscheidenden Sieg erringen konnten.
Auch die Aufstände in Sterea, Makedonien und Epirus verzögerten die Bemühungen der Osmanen, mit der Situation auf dem Peloponnes fertig zu werden.

1822 verkündete der griechische Nationalkongress in Epidauros die Unabhängigkeit, welche in Europa von vielen konservativen und liberalen ‚Philhellenen‘, darunter Ludwig I. von Bayern und Chteaubriand, gefördert wurde. Freiwillige, darunter der Briten Byron, versammelten sich in Genf und unterstützten oder kämpften im Freiheitskrieg für die griechische Sache. Auch das ‚Türkengreuel von Chios‘ im Jahr 1822 veränderte den europäischen Blickwinkel auf die Revolution.

Eine weitere Ursache für die mangelnde militärische Aktivität waren die inneren Zwistigkeiten der Griechen zu dieser Zeit. Den politischen Führern, welche durch den Phanarioten Alexandros Mavrokordatos und den Hydraer Reeder Georgios Koundouriotis repräsentiert wurden, standen mit ihrer Versammlung, die hauptsächlich aus Honoratioren, Würdenträgern und wohlhabenden Kaufleuten bestand, in Konflikt mit den Soldaten der kleinen regulären Armee, den Freischärler und den ehemaligen Kleftes, die Theodoros Kolokotronis treu ergeben waren. Die politische Zwietracht gipfelte 1824 sogar in einem internen Bürgerkrieg während des noch anhaltenden Revolutionskrieges gegen die Osmanen !

Neben diesen Konflikten trugen auch die Interventionen Großbritanniens, Frankreichs und Russlands, die ihre strategischen politischen und wirtschaftlichen Interessen im Osmanischen Reich zu wahren suchten, dazu bei, dass sich die revolutionäre Dynamik nicht entfalten konnte.

Hier zu Teil II: Unabhängigkeitskrieg und Kreta.

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